Vom ersten Kontakt zur Elterninitiative 

Im Jahr 1994 haben wir zum ersten Mal von den Kindern aus dem weißrussischen Dorf Saschirje gehört, die hier in Deutschland zur Erholung eingeladen waren. Ein Jahr später war es dann soweit, bei einem Sommerfest in Leipzig traten Kinder in farbenfrohen Kostümen auf. Das Folkloreensemble SONEJKA sang und tanzte. Kurz darauf stand in der Zeitung, dass Wochenend-Gasteltern genau für diese Kinder gesucht werden. Auch wir meldeten uns und nahmen Kinder auf. Die Zeit war sehr schön, nur leider zu kurz. Beim Abschied überlegten wir, ob sich das wiederholen ließe. Anfangs stießen wir auf viele Hürden: Genehmigungen, Versicherungen, Verträge und viel Geld seien nötig und sehr schwer zu bekommen. Der russischen Sprache etwas mächtig, sagten wir der Leiterin der Gruppe: „Wir versuchen es dennoch! Du hörst von uns, ob es klappt!“

 

Das war die Geburtsstunde unserer InitiativeSeitdem hat ein Team von Eltern aus Leipzig und Umgebung fast jährlich Kinder aus Belarus in Sachsen zur Erholung begrüßt. 

 

Wir beschäftigten uns mit der Heimat der kleinen Gäste und waren schockiert. Sie wohnten nur rund 100 Kilometer vom Atomkraftwerk Tschernobyl entfernt. Die ganze Region war bei der Reaktorkatastrophe 1986 verstrahlt worden, Böden und Nahrung sind bis heute radioaktiv belastet. Auf der Suche nach Informationen stießen wir auf das einzige unabhängige Institut in Belarus, das sich wissenschaftlich mit den Folgen der Verstrahlung beschäftigt – BELRAD. Sein Chef, Prof. W. B. Nesterenko, bestärkte uns, die Kinder einzuladen. Er wies nach, dass ein mehrwöchiger Aufenthalt in gesunder Umgebung mit frischen Lebensmitteln das Strahlenpotential in den Körpern deutlich senkt. Wir spüren dies, wenn die blassen, oft müde und kränklich wirkenden Kinder hier sichtbar aufblühen.

 

Die wirtschaftliche Lage in Belarus ist sehr schwierig. Gerade auf dem Dorf werden zum Beispiel Beeren und Pilze aus eigener Produktion oder dem nahen Wald verzehrt, unabhängig davon, ob diese radioaktiv belastet sind. Frische Lebensmittel aus fernen Regionen gibt es zwar auf den Märkten in größeren Städten, aber zu „westlichen“ Preisen, also unerschwinglich für die meisten Familien. 

 

Wichtig waren und sind uns außerdem die gemeinsamen Stunden unserer deutschen Kinder mit den Gästen. Sie spielen zusammen und lernen voneinander. Barrieren fallen und Freundschaften entstehen. 

 

Im Laufe der Jahre haben wir viel gelesen und gehört, sind aktiv in der deutschen Vereinigung der NGO´s der  Tschernobyl-Hilfe. In Leipzig haben wir Veranstaltungen zum Gedenken an die Folgen des GAUs mitgestaltet  (u.a. an der Volkshochschule), waren in Kindergärten und Schulen unterwegs, haben „unsere“ Kinder zu Begegnungen mit Gleichaltrigen, Senioren, Landfrauen und Kirchgemeinden gebracht.

 

Selbst waren wir mehrfach in Weißrussland zu Besuch, sogar bei Kindstaufen und Hochzeiten unserer ehemaligen Kinder und als Deutsche zum „Tag des Sieges“ am 9. Mai.

 

Darüberhinaus sind wir Mitgestalter der Ortspartnerschaft zwischen dem Dorf Saschirje und der Gemeinde Laußig / Sachsen und arbeiten sehr gut mit unserem Trägerverein zusammen, dem Soziokulturellen Zentrum GeyserHaus e.V.

  Elterninitiative für Saschirje / Belarus

   

Katastrophe Tschernobyl 

 

26.4.1986 -  1.23 Uhr:

" Der Versuch beginnt.  Der Schichtleiter schließt die Sicherheitsventile der bei- den Turbinengeneratoren. Daraufhin verringert sich der Wasserzufluss im Reaktor schlagartig, wo- durch die Temperatur ex- trem ansteigt. Die Leistung des Reaktors schießt abrupt

hoch. Eine unkontrollierte Kettenreaktion setzt ein. "